nourara

nourara
Weihnachtsoratorium transkulturell
Hoffnung in der Fremde?
Bach verwoben mit armenischen Klängen neu hören? 

„Indem das asambura ensemble Bachs Musik mit Neukompositionen und insbesondere armenischen und syrischen Traditionen verbindet, entsteht eine ganz eigene Klangwelt, die das Vertraute behutsam erweitert und den Blick auf die Weihnachts- (und Passions-) Botschaft weit öffnet. Das Verbindende auf dieser musikalischen Entdeckungsreise ist zum einen schlicht die Schönheit der Musik, die uns gefangen nimmt. Zum anderen ist es die universelle Botschaft von Licht in der Dunkelheit, von Freude und Hoffnung, auf eine lebenswerte Zukunft in einer Welt, für alle Menschen, insbesondere für diejenigen, die tiefes Leid erlebt haben, die von Verfolgung, Flucht und Exil betroffen sind. Das asambura ensemble findet dafür eine hoffnungsgebende Perspektive und musikalisch eine subtile Vielstimmigkeit.“

Friederike Ankele.
Leitung Kulturbüro Hannover


„Ausgehend von der hoffnungsvollen Erwartung, die im Weihnachtsoratorium beschrieben wird, schlägt das empathische „Mitleiden“ in den Chören und Arien aus Bachs Johannespassion Brücken zu den Menschen, die dem armenischen Völkermord 1915 zum Opfer gefallen sind.

(…) so geschickt verwoben, dass man als Zuhörender jeden Moment aufs Neue fasziniert ist. Neben der direkten kompositorischen Neudeutung von Bachs Musik tragen die neu entstandenen Kompositionen eigens zum dramaturgisch stimmigen Gesamtkonzept von nourara bei. So transformieren beispielsweise Guths “DanakilErta” oder Kassaees “nour“ musikalische Motive und Textfragmente aus Bach-Arien gekonnt in einen unabhängigen zeitgenössischen, transkulturellen Kontext. Diese erscheinen in Bruchstücken, als Erinnerungen, die sich verwandeln und neue Bedeutungen annehmen.“

Blog Orchestergraben


>>> Interesse, mitzuwirken?  <<<
Melden Sie sich bei uns für eine Kooperation!
Wir freuen uns auf Sie!


Weihnachten – ein Fest von Licht, Hoffnung und Gemeinschaft – bekommt in nourara eine neue Stimme. Das transkulturelle Weihnachtsoratorium nourara verwebt Johann Sebastian Bachs vertraute Chöre und Arien mit musikalischen Ausdrucksformen außereuropäischer christlicher Kulturen, insbesondere der armenischen und vorislamischen syrischen Traditionen, und öffnet das bekannte Weihnachtsnarrativ für neue, vielstimmige Perspektiven.

In einer Welt, die von Flucht, Verfolgung, Ausgrenzung und Brüchen geprägt ist, fragt nourara, was Weihnachten heute bedeuten kann: Wie klingen Licht (nour), Hoffnung (ara) und die Suche nach Schutz in der Dunkelheit aus diesen unterschiedlichen Blickwinkeln – und wie wird die Botschaft von Weihnachten zu einem Zeichen der Hoffnung in Zeiten der Fremdherrschaft? Ist Hoffnung eine Utopie, ein Trost oder vielleicht sogar eine Herausforderung? nourara setzt bewusst die Erkundung neuer künstlerischer Wege in transkulturell-zeitgenössischen Dialogen und dem Nachspüren von Nicht-Gehörtem und von verfolgten Menschen fort, um Erinnerungen hörbar zu machen. 

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der armenischen Musiktradition: Als erstes christliches Land der Welt (seit 301 n. Chr.) entwickelte Armenien eine tief verwurzelte spirituelle Kultur, die eng mit seiner wechselvollen Geschichte verbunden ist. Erfahrungen von Unterdrückung, Diaspora und der Sehnsucht nach Frieden prägen die armenische Identität bis heute – von den mittelalterlichen Klöstern bis zu den Traumata des Völkermords an den Armeniern 1915.
Gleichzeitig öffnet nourara den Blick auf die Klangräume der vorislamischen christlichen Syriens und Perspektiven über Verlust und Sehnsucht.

Das transkulturelle Weihnachtsoratorium möchte diesen historischen Kontext musikalisch befragen und reflektieren, indem es die armenische Trauertradition – insbesondere die liturgischen Gesänge der „Sharakan“ (Շարական) – mit den Hoffnungs- und Friedensbotschaften der Weihnachtsgeschichte in Verbindung setzt. Gleichzeitig öffnet es den Blick auf andere Traditionen, die ebenfalls Erfahrungen von Exil, Widerstand und spiritueller Hoffnung in ihrer Musik verarbeiten.

Durch Neukompositionen, die Bachs Chöre und Arien mit diesen vielfältigen Traditionen verweben, entsteht ein musikalischer Dialog zwischen Klangräumen, Kulturen und Zeiten. So wird Weihnachten hörbar als Botschaft der Hoffnung, der Solidarität und des Mitgefühls – über Grenzen von Zeit, Raum, Religion und Geschlecht hinweg.

Komposition • Johann Sebastian Bach. Shadi Kassaee. Elisabeth Fußeder.
Ayşe Deniz Birdal. Maximilian Guth

Konzeption. Instrumentierung • Maximilian Guth

polyLens vokal
asambura ensemble

Dirigat • Joss Reinicke

Uraufführung • 2025 in Hannover


„Mit Musik Hoffnung und Verbundenheit zu schaffen ist eine Idee, die mir aus tiefstem Herzen spricht und die von höchster gesellschaftlicher Bedeutung ist. In einer manchmal verwirrenden Welt voller schlechter Nachrichten kann durch eine emotionale Verbindung zur gemeinsam gehörten Musik Hoffnung wachsen. Wenn sich dann auch noch verschiedenste Traditionen zu einem größeren Ganzen verbinden, entsteht Verbundenheit über Grenzen und Kulturen hinweg. Weihnachten, seine Bedeutung in einer von Flucht, Verfolgung und Ausgrenzung geprägten Welt, Werke von Johann Sebastian Bach mit armenischen und vorislamischen syrischen Klangwelten zu verbinden und daraus etwas Neues zu kreieren ist ganz wunderbar. Ich gratuliere dem asambura ensemble herzlich.“

Antje Valentin.
Präsidentin Deutscher Musikrat


„Bachs Weihnachtsoratorium ist der musikalische Ausgangspunkt für ein vielstimmiges Werk, das Vergangenheit und Gegenwart miteinander in Beziehung setzt und der erklingenden Musik damit eine besondere gesellschaftliche Relevanz verleiht. Damit eröffnen die Musiker*innen des asambura ensembles einen Diskurs- und Resonanzraum, in dem vielfältige Begegnungen und Austausch möglich werden. Ich verstehe dies als künstlerisches Labor und Proberaum für die Demokratie, als einen Raum, in dem künstlerischer und gesellschaftlicher Anspruch einander gegenseitig ergänzen und verstärken.“

Prof. Axel Petri-Preis.
Universitätsprofessor für Musikvermittlung und Community Music

mdw Wien


„Jauchzet, frohlocket!“ heißt es zu Beginn des „Weihnachtsoratoriums“ von Johann Sebastian Bach. Doch welche Botschaft steckt eigentlich hinter dem Stück? Das hat ein neues, „transkulturelles Weihnachtsoratorium“ untersucht. Bei der Uraufführung von „Nourara – Weihnachtsoratorium transkulturell“ stand der Aspekt der Empathie gegenüber Heimatlosen und Vertriebenen im Fokus.
Die Thematik des Vertriebenseins und der Heimatlosigkeit ist nicht nur in Deutschland wieder sehr aktuell. Die Weihnachtsgeschichte der Bibel handelt von genau diesem Thema: Eine Familie sucht in der Fremde Unterkunft und Geborgenheit. Was es dazu braucht, ist Empathie und ein klein wenig Offenheit gegenüber Neuem. Diese Offenheit gegenüber Neuem ist es, was das von Maximilian Guth entwickelte Konzept des Konzerts besonders auszeichnet. Die polyphone barocke Musik Europas (hier Johann Sebastian Bachs) wird zusammen gebracht mit traditioneller Musik aus dem Nahen Osten. Dabei ist das Einbeziehen traditioneller Instrumente genauso essenziell wie die Verwendung von Musik und Tonsystemen aus diesem Kulturraum.
Vor allem die Stücke, die Sätze von Bach und Musik aus den anderen christlichen Kulturkreisen miteinander verbanden, sind besonders berührend. Sei es, dass Choralstrophen durch Improvisationen miteinander verbunden wurden, sei es, dass einem Bach-Satz zusätzliche Instrumente (europäische und außereuropäische) hinzugefügt wurden, die die Musik kommentieren: Es fügte sich immer zu einem stimmigen Ganzen.“

Michael Meyer-Frerichs
Hannoversche Allgemeine Zeitung HAZ


Shadi Kassaee (*1999, Hamburg) ist eine deutsch-iranische Komponistin. Ihre Werke wurden u. a. in der Laeiszhalle Hamburg, im Gewandhaus Leipzig, beim Horizonte Festival des Göttinger Symphonie Orchesters sowie international – etwa in Peru – aufgeführt. Sie arbeitet mit renommierten Ensembles wie dem AsianArt Ensemble, Ensemble Adapter und Ensemble Ascolta und komponiert regelmäßig für das Theater, u. a. am monsun.theater Hamburg. In der Spielzeit 2024/25 wurde ihr Orchesterwerk à la recherche de la vérité perdue vom Brandenburgischen Staatsorchester uraufgeführt. Für ihr Schaffen wurde sie mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Klaus-Huber-Preis und einem Kompositionsstipendium des Voktett Hannover.
Für nourara gestaltet sie transkulturelle Klangräume, die unterschiedliche Traditionen verbinden. Dabei fließen Elemente aus westlicher, iranischer und zeitgenössischer Musik in ihre Kompositionen ein.

Elisabeth Fußeder (*2000) komponiert für namhafte Chöre und Ensembles. Ihre Werke wurden bereits vom Bundesjugendchor, den Stuttgarter Philharmonikern, dem via-nova-chor München oder den »Eric Ericsons Kammarkör« aufgeführt. Ihre Werke wurden vielfach ausgezeichnet, unter anderem beim »Valentin-Becker-Preis«, den »randspielen Zepernick« und beim Wettbewerb »Nocturne« (Voktett Hannover / Carus-Verlag). Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt auf der Vielfalt vokaler Ausdrucksformen zwischen Tradition und Gegenwart.Im nourara reflektiert sie Vergänglichkeit, Trost und Hoffnung aus unterschiedlichen kulturellen und spirituellen Perspektiven. Sie bringt ihre Erfahrung als Chorsängerin aktiv in die Gestaltung mehrstimmiger Klangräume ein.

Ayşe Deniz Birdal (*1996, Istanbul) ist Cellistin mit einer Leidenschaft für Neue Musik, Improvisation und die Musik ihrer Heimat. Sie gastierte u. a. beim Menuhin Festival Gstaad String Academy und beim Kronberg Academy Cello Festival, konzertierte als Solistin mit dem Philharmonischen Orchester Kaunas und wurde bei internationalen Wettbewerben ausgezeichnet. Neben klassischem Repertoire widmet sie sich transkulturellen Projekten und sozialem Engagement, etwa im Rahmen von »Yehudi Menuhin Live Music Now« oder beim Augsburger interreligiösen Dialogprojekt Karl Jenkins – Eine Messe für den Frieden.
In nourara akzentuiert sie besonders die Verwebung von improvisatorischen und interreligiösen Klangtraditionen.

Maximilian Guths künstlerische und vermittelnde Arbeit konzentriert sich auf den Brückenbau und Schnittstellen zwischen verschiedenen Kulturen, Religionen und Migrationshintergründen. Er setzt sich dafür ein, die Bedeutung von kultureller Vielfalt und interreligiöser Verständigung in der Gesellschaft zu fördern.
Er entwickelt Klangräume, in denen unterschiedliche kulturelle und religiöse Traditionen aufeinander treffen. Für nourara setzt er auf obertonreiche Impulse, mehrstimmige Rezitationen und vibrierende Schwebungen, um interreligiöse Verbindungen hörbar zu machen.

photo credits © Ehsan Ebrahimi. Nils Ole Peters

►  TICKETS zur Aufführung in Hannover 06.12.2025
►  MITSINGEN bei der Aufführung in Hannover 06.12.2025
►  TICKETS zu der Aufführung in Lilienthal (b. Bremen) 07.12.2025

Programmheft
► weiterführende Gedanken:
komponieren als neu beleuchten